Das Museum zeigt in den jagdlichen Salons und Gemächern Gemälde, Wandmalereien und andere Kunstgegenstände als Dokumente des barocken Jagens
Seit 1998 verfügt die Stiftung Hessischer Jägerhof über ein neu konzipiertes und gut besuchtes Museum zur Geschichte der Jagd von der Vor- und Frühzeit bis zur Gegenwart, das einen Zeitraum von über zwei Millionen Jahren zu umgreifen sucht. Die Geschichte der Jagd wird anhand vieler Kunstwerke als Bestandteil der Zivilisationsgeschichte dokumentiert. Nomadisierende Jäger und Sammler der Frühzeit konnten nur durch die Jagd überleben. Germanischen Sippen sicherte das Jagen die Existenzgrundlage. Im Mittelalter entstanden die Jagdprivilegien des Hochadels mit den Bannforsten. Gegen vielfältige Jagdfrondienste und Wildschäden begehrte die hessische Landbevölkerung im Bauernkrieg von 1525/26 und in der Revolution von 1848/49 auf. Das Recht auf Ausübung der Jagd auf eigenem Grund und Boden gehört zu den bleibenden Ergebnissen der Revolution von 1848. Die heutige Naturnutzung durch ökologische Waldwirtschaft und weidgerechte Bejagung ist an den Grundsätzen der Nachhaltigkeit orientiert. Künstlerische Darstellungen der Jagd illustrieren die chronologisch aufgebaute Sammlung. Das Jagdmuseum informiert in Deutsch, Englisch und Französisch. Neben regelmäßigen allgemeinen Führungen bietet das Museumsprogramm eine umfangreiche Reihe von besonderen Veranstaltungen zu einzelnen Themenschwerpunkten.
Glanzstück des Jagdmuseums ist eine Waffensammlung mit Jagdwaffen aus vier Jahrhunderten.
Ludwig VIII von Hessen-Darmstadt, ein Zeitgenosse Friedrichs des Großen, wurde als "Jagdlandgraf" bekannt. Er frönte nicht nur der Jagdleidenschaft - seiner zweiten, der Sammelleidenschaft, verdanken wir auch eine der beeindruckendsten Gewehrsammlungen Deutschlands. Aus dem Barock zeugen außerordentlich kunstvoll gearbeitete Radschloß- und Steinschloßbüchsen von der hohen Handwerkskunst der Büchsenmacher jener Zeit.
Ist ein Radschloß an sich schon eine handwerkliche Meisterleistung, so machen die Verzierungen der Schäfte mit Perlmutt- und Elfenbeineinlagen aus diesen Gewehren wahre Kunstwerke. Zum Schießen fast zu schade, präsentieren sie sich teilweise als völlig identische Paare oder als zierliche "Tschinken" mit "kurländischem Schloß" (außen liegende Feder). Es ist anzunehmen, daß diese edlen Waffen nicht primär zum Zwecke der Jagd sondern eher als fürstliche Geschenke angefertigt wurden.
Das gilt auch für die zahlreichen Steinschloßgewehre, obwohl diese wohl öfter zum Jagen gebraucht wurden. Amüsiert betrachtet man die überlangen Vogelflinten. Es war wohl nicht die Absicht ausschlaggebend, mit diesen langen Läufen die Mündung möglichst nahe an das Ziel heranzubringen, sondern sondern eher, die Streuung der Schrote zu verringern. Damastläufe, kunstvolle Schaftverschneidungen und Gravuren, zum Teil mit Goldeinlagen, finden wir sowohl an Steinschloßgewehren als auch an einer großen Zahl von Perkussionsgewehren.
Die weltweit einzigartige Windbüchsensammlung aus dem 18. Jahrhundert ist eine besondere Sehenswürdigkeit. Landgraf Ludwig VIII hatte eine besondere Vorliebe für diese seltenen Waffen, die Vorläufer unserer heutigen Luftgewehre. Die Kranichsteiner Sammlung zeigt Windbüchsen mit außenliegendem kugelförmigem Lufttank aus blankem Kupfer und Gewehre mit einem konischen, mit Leder umgebenen Blechtank als Ersatz für den Kolben. Sie konnten abgeschraubt und mit einer Handpumpe auf den notwendigen Füllungsgrad gebracht werden. Es wird berichtet, daß zur Füllung eines Tanks dieser Windbüchsen bis zu tausend Pumpenhübe einer externen Handpumpe nötig waren. Mehrere Büchsenknechte mußten sich diese anstrengende Arbeit teilen. Eine Füllung soll für bis zu 40 Schüsse ausgereicht haben. Mit Windbüchsen soll es gelungen sein, einen Hirsch auf 65 Schritt Entfernung zu erlegen, heißt es in Berichten aus jener Zeit.
Kostbare Armbrüste, jagdliche Blankwaffen, Saufedern und vielerlei Jagdzubehör ergänzen die einmalige Waffensammlung, die Ernst Ludwig, der letzte Großherzog von Hessen-Darmstadt, zusammen mit seinem Hofmarschall Kuno Graf von Hardenberg 1917 begründete.
Text- und Bildrechte: Stiftung Hessischer Jägerhof |
letzte Aktualisierung: 10. April 2001 |